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Werkbeiträge 2019

2019-05-02 22:03:04
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Quelle: Stadt St. Gallen

Die Stadt St.Gallen vergibt 2019 sechs Werkbeiträge in der Höhe von je CHF 10‘000. Ziel ist es, St.Galler Kulturschaffenden die Entwicklung und Realisierung von interessanten Projekten zu ermöglichen, wie die Stadt St. Gallen berichtet.

Insgesamt wurden 30 Bewerbungen beurteilt. Davon stammen 16 aus den Bereichen Bildende und Angewandte Kunst, fünf aus dem Bereich Musik, drei aus dem Bereich Tanz, drei aus dem Bereich Literatur sowie drei Eingaben aus dem Bereich Theater.Die beiden St.Galler Musiker Davide Rizzitelli und Atilla Bayraktar gründeten im Sommer 2018 die Band «Vals», um mit neuen musikalischen Produktionsmethoden zu experimentieren und der steril und digital produzierten elektronischen Musik einen innovativen Indie-Pop entgegenzusetzen.

Sie kombinieren sowie alte Aufnahmemethoden und -geräte mit neuen und zukunftsorientierten Musikschemata. So arbeiten Bayraktar und Rizzitelli mit alten Tonbändern statt mit Computersequenzern, mit Kassetten und Tape Loops statt mit Samplern und lassen auch visuelle Aspekte stark miteinfliessen.

Mit einem Werkbeitrag werde das zukunftsweisende und nachhaltige Potential dieser Kombination aus nostalgischen und futuristischen Elementen gewürdigt.Tine Edel arbeitet als freischaffende Fotografin im Bereich Theaterfotografie und realisiert freie künstlerische Projekte. Sie arbeitet bevorzugt mit analogem Fotopapier und experimentiert mit der Fähigkeit dieses Materials, Licht zu speichern und auch ohne Kamera abzubilden.

Ein Bild entsteht in ihrem Projekt nicht durch eine einzige Belichtung, sondern durch viele, aufeinander folgende. Edel löst sich dabei vollständig vom gegenständlichen Motiv und bietet mit ihren Bildern eine Assoziationsfläche.

Der Werkbeitrag ermöglicht es Tine Edel, das Potential dieser Technik genauer zu erforschen und dabei Fragen zu beantworten wie: Welche Möglichkeiten gibt es, aus den eher kleinen Bildformaten, grössere Bilder zu schaffen? Kann die Fotogrammtechnik auch ausserhalb des Fotolabors Bilder generieren, eventuell nachts mit dem Blitz in lichtarmer Umgebung? Wie deutlich sollen interpretierende Hinwei­se in den Bildtiteln sein?Das St.Galler Kollektiv GAFFA veröffentlicht im Eigenverlag seit September 2016 ein monatliches Magazin. Die jeweils im Kollektiv entworfenen, einem Thema gewidmeten Ausgaben unterwandern das gewohnte, alltägliche Repertoire an Zeichen, Ikonen, Sujets und Wort-Bild-Zusammenhängen.

Die Beiträge werden mit Fotografien, Grafik, Malerei, Objekten, Illustrationen, Text oder mit gefundenen Bildern umgesetzt und finden inzwischen überregional Beachtung. Die Produktion des Magazins werde durch die Abonnentinnen und Abonnenten finanziert.

Der Werkbeitrag unterstützt einerseits die Beiträge im Magazin und andererseits Projekte wie die «Edition GAFFA», bei der eingeladene Künstlerinnen und Künstler ein eigenes Zine gestalten, das von GAFFA herausgegeben wird.Die St.Galler Künstlerin Priska Rita Oeler sei seit Langem an der Oberflächentextur der Malerei interessiert. In ihren aktuellen Arbeiten weitet sie die Untersuchungen auf das rohe Leinengewebe und seine Eigenschaften aus, ohne jedoch die Malerei zu vernachlässigen.

Im Gegenteil: Farbmaterie und Textilstruktur treten in einen Dialog, beeinflussen einander und erweitern die Malerei in den dreidimensionalen Raum. Ausgangspunkt für diesen Werkprozess sei das rohe Leinengewebe mit Falten und Knittern, die von der Fabrikation, dem Transport und der Lagerung zeugen.

Das daraus entwickelte Bild erhält Objektcharakter. Der Werkbeitrag unterstützt Priska Rita Oeler bei der Weiterentwicklung ihrer Untersuchungen: Die Künstlerin werde an grösseren Bildern und grossformatigen hängenden Tüchern arbeiten und beobachten, wie Formatänderungen auf das Bild wirken und wie roh belassene Formen und Farbflächen interagieren.Charles Uzor beschäftigt sich seit einiger Zeit mit seinem dritten Opernprojekt und thematisiert damit Leopold II., König von Belgien und Inhaber der Privatkolonie Kongo, und die Auswirkungen seiner Herrschaft: Kongo leidet noch immer an Leopolds Verbrechen am afrikanischen Volk, an der repressiven Praxis der Menschenverstümmelung und dem Befund von zehn Millionen Toten während seiner Regentschaft.

Charles Uzor schreibt diese Oper als Fiktion und nicht als politisches Manifest. Er thematisiert Missbrauch und Vertuschung anhand der Geschichte von Leopolds Hofdiener Yoka.

Das Projekt sei in seiner Aufarbeitung des Kolonialismus und der Täter-Opfer-Bilder im Jetzt verankert und habe das Potential, das Publikum durch Ambivalenz, Spannung und glaubhafte Motive zu fesseln. Der Werkbeitrag unterstützt diesen logischen nächsten Schritt in Charles Uzors Werkbiografie sowie die gesellschaftliche Relevanz seiner künstlerischen Arbeit.Juliette Uzor sei Tänzerin, Performerin und Choreografin.

In ihrem Projekt will sie die Grenzen des menschlichen Körpers ausloten und verwischen, ausgehend von den Fragen nach ihrer Herkunft: «Aufgewachsen in St.Gallen mit einer Schweizer Mutter und einem afrikanischen Vater bin ich es gewohnt, nach meiner ursprünglichen Herkunft gefragt zu werden. Einziges Kriterium zu dieser Frage sei meine Hautfarbe».

Juliette Uzor untersucht diese oberflächliche Wahrnehmung und die damit verknüpften Assoziationen und Geschichten. Die Haut als physische Grenze zwischen dem Inneren und dem Äusseren des Körpers steht im Zentrum ihres Projekts.

Das Stück sei als Duett zweier Körper angelegt, der Ton sei der unterstützende «dritte Körper». Der Werkbeitrag würdigt die differenzierte tänzerische Auseinandersetzung der jungen Künstlerin mit dem Thema «Haut»..

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